Chronik von Fichtelberg

Chronik von Fichtelberg

Bis zu Beginn des 17. Jahrhunderts war das oberste Fichtelnaabtal, wo sich jetzt die Orte Neubau und Fichtelberg gegen den südöstlichen Abhang des Ochsenkopfes (1024 m) erstrecken, noch mit einer unwegsamen Waldwildnis bedeckt. Auch die steilen Bergabhänge und deutlich ansteigende Höhenlage verhinderten bis zu dieser Zeit die Besiedlung gegen das innere Zentralmassiv des Fichtelgebirges. Ab dem Jahr 1602 kam schließlich tätiges Treiben in diesen nördlichsten Winkel der „Oberen Pfalz“. Eine „Gewerkschaft“ von sechs einflussreichen Männern hatte sich gebildet, um in dieser Gegend nach geeignetem Eisenerz zu suchen und es auf die für jene Zeit modernste Weise zu verhütten und gewinnbringend zu verarbeiten. Friedrich IV. Kurfürst der „Pfalz bei Rhein“ und auch Landesherr der „Oberen Pfalz in Baiern“ bewilligte ihren Antrag. Noch im gleichen Jahr entstanden ein Hochofen an der Naab, daneben ein Hammerwerk und mehrere einfache Bergmannshäuser, also ein zunächst kleiner Ort, den man „Neuenpau“, Neugebäu“ nannte, das heutige Neubau.  Ab 1606 ist eine weitere Siedlungstätigkeit nachweisbar, naababwärts fünfzehn Gehminuten von der ersten Ansiedlung entfernt. 1609 stand hier ein zweiter Hochofen. Dazu errichtete man Verwaltungsgebäude, eine Eisengießerei, eine Mahlmühle, ein Brauhaus, Wohngebäude, um 1650 eine Hochofenkapelle, 1680 die Mariensäule. 1711 konnte schließlich die Bergkirche geweiht werden. „Gottesgab am Fichtelberg“ nannte man das weit über die Region bedeutsame Bergamt und später auch den dazu gehörenden Ort, jetzt Fichtelberg. Ein dritter Hochofen ist ab 1693 in Hüttstadl-St. Veit, dem dritten Ortsteil der Gemeinde, in Betrieb.

Aus vielen Gegenden Deutschlands, aus Tirol und Böhmen, aus Kärnten und Sachsen zogen Menschen an die Fichtelnaab und fanden hier harte, allerdings auch gut bezahlte Arbeit. In den Werken verarbeiteten sie das in den Hochöfen gewonnene Roheisen zu Tiegeln, Pfannen, Ofenplatten, allerlei Werkzeug, aber auch zu Kanonenkugeln oder Mörsern. Zahlreiche gusseiserne Marterl und Bildstöcke zeugen heute noch von der Kunstfertigkeit der Handwerker, am eindrucksvollsten wohl die barocke Mariensäule im Brauhausgarten, die 1680 nach ihrem Vorbild von München in „Gottesgab am Fichtelberg“ gegossen wurde.

Etwa 250 Jahre lang boten der Bergbau und die Eisenverarbeitung den Menschen im obersten Fichtelnaabtal gute Arbeit und Brot. Auswärtige Konkurrenz, schlechte Verkehrsanbindung und sinkende Gewinne brachten um die Mitte des 19. Jahrhunderts die einst blühende Montanindustrie zum Erliegen. Die oft kinderreichen Familien gerieten dadurch in arge Not. Die kargen, kleinen Felder und Wiesen, meist bewirtschaftet von den Frauen und Kindern, konnten sie nicht genügend ernähren. Manche Männer fanden Arbeit in den Steinbrüchen rund um den Ochsenkopf, in den wenigen Sägewerken und Mahlmühlen oder als Holzhacker in den weiten Wäldern des Gebirges. Viele Bewohner mussten das Tal verlassen, sie zogen weg, nicht wenige davon in die „Neue Welt“ nach Amerika.

Durch einen Zufall kam 1886 der Oberlehrer Franz Hurtig aus Leipzig auf einer Wanderung nach Fichtelberg und war von dem kleinen Gebirgsdorf und der Landschaft ringsherum begeistert. Zusammen mit Freunden aus dem Ort und später mit Mitgliedern des 1888 gegründeten Fichtelgebirgsvereins legte er den Grundstock für den damals neuartigen Erwerbszweig „Sommerfrische“, aus dem sich mit den Jahren ein blühender Fremdenverkehr entwickelte.

 

Nach dem 2. Weltkrieg fanden viele Vertriebene aus dem Sudetenland und Schlesien eine neue Heimat in Fichtelberg. Kunstfertige Glasmacher aus Gablonz im Isergebirge begannen sofort in den Nachkriegsjahren böhmische Bleiglaserzeugnisse aller Art zu produzieren und zu bearbeiten. Allerdings sind nur noch wenige Kristallglasschleifereien und Geschäfte davon übrig geblieben.

 

Dank seiner günstigen Höhenlage von 640 bis 800 m ü. NN am Fuße des Ochsenkopfs hat sich die Gemeinde Fichtelberg zu einem bekannten Luftkurort entwickelt. Auf gut markierten Wanderwegen erreicht man zahlreiche lohnende Ziele im Zentralstocks des Fichtelgebirges, z.B. den Schneeberg (mit 1051 m höchster Berg des Fichtelgebirges und Frankens), Nußhardt (972 m), Haberstein (914 m), Platte (884 m) u. v. m. Überall findet der Wanderer gastfreundliche Unterkunftshütten und Einkehrmöglichkeiten.

 

Im Winter locken ein ausgedehntes Loipennetz (insgesamt mehr als 40 km), ein Skilift, eine Biathlonanlage und ein Rodelhang im Skistadion an der „Bleaml-Alm“ in Neubau die Sportler und Besucher aus nah und fern.

 

Als familienfreundlicher Urlaubsort hat der Luftkurort Fichtelberg mit seinen Ortsteilen Neubau und Hüttstadl-St.Veit vielerlei Abwechslung zu bieten.

 

Text: Horst Pecher